La Gomera

1.7.2014

Wochen der Arbeit haben ihre Spuren hinterlassen, ich bin total erschöpft. Die Reise nach La Gomera beginnt relaxt und ruhig mit einem kleinen Frühstück bei Starbucks. DSC_0200_klDer Flug von Madrid nach Teneriffa Süd ist überbucht. So werde ich in die Business Class upgedatet. Sehr fein, das tut gut. Auf Teneriffa schnappe ich mir direkt ein Taxi zur Fähre nach Los Christianos. Komme aber doch 30 min zu spät und die nächste Fähre kommt erst um 19.00 Uhr. Allmählich kommt die Müdigkeit durch und ich versuche möglichst nicht einzuschlafen.DSC_0210_kl Fast pünktlich erscheint die Fähre und die Fahrt dem Sonnenuntergang entgegen kann beginnen. DSC_0214_klAuf La Gomera angekommen nehme ich meinen reservierten Leihwagen und fahre sehr zügig Richtung Valle Gran Rey. Das tut gut und die sehr kurvigen Strassen halten wach. Als es dunkel wurde erreiche ich Calle Lomo del Balo, wo ich bereits erwartet wurde.

Mache mich nur kurz frisch und lege mich direkt zum Schlafen.

2.7.

Wache auf und bin gerädert. Ich dusche und mache mich fertig die Gegend ein bisschen zu erkunden. Seit dem Aufstehen habe ich leichte Kopfschmerzen. Seit Reisebeginn immer wieder leichtes Nasenbluten. Es windet unglaublich stark und es ist kalt. Der Passatwind sollte normalerweise 40 Grad haben, jetzt vielleicht 20 und gefühlte 5 Grad. DSC_0236_klUnten in La Calera finde ich eine kleine Bar und geniesse einen Obstsalat und einen Espresso, den sie da Café solo nennen. Die Einheimischen gehen hinein und die anderen, ausschliesslich deutschen Besucher setzen sich draussen auf die Terrasse. Da ist es nahezu windstill und warm, nur bei mir oben windet es so stark, dass ich fast weggeweht werde. 5 Wochen, Freude, aber auch ein komisches, nicht zu beschreibendes Gefühl kommt auf. Angst ist es nicht. Keine Ahnung. Ich merke nur, ich entferne mich von allem, so als ob ich meinem „alten“ Leben Lebewohl sagen würde. Im Café sitze ich etwa eine Stunde bevor ich wieder ins Auto steige, in die nächste Ortschaft fahre und im Supermercado Obst, Gemüse, Wasser und Nüsse einkaufe.

DSC_0223_klHoch in den Bergen weht ein rauer Wind und die Wolken haben sich zu Nebel gebildet. Da ist alles nass und eine wunderschöne, geheimnisvolle Landschaft eröffnet sich mir. Horizontaler Regen nennen sie das. Seitdem ich losfuhr ständiges Nasenbluten und mir ist so, als ob ich zweigeteilt bin. Ein Teil der Mensch, der ich bin und der andere in einer anderen Dimension, weit weg von hier. Schwindelig ist mir. Habe dauernd das Gefühl anhalten und schlafen zu müssen. Schlafen und nicht mehr aufwachen. Einfach weg zu sein. Gestern fing wieder der Kontakt an. Ich schrieb alles schnell ins Handy. Bin daher auch aufgeregt, was alles passieren wird. Oben auf dem Berg muss ich ständig anhalten, so überwältigt mich die Natur.DSC_0222_klDSC_0219_kl Irgendetwas treibt mich dazu alle Wege zu fahren, nicht anzuhalten, alles zu erkunden. Der andere Teil will nur noch Ruhe, schlafen und verschwinden. Am liebsten jetzt Augen schliessen und nur noch schlafen.

DSC_0221_klNoch sehe ich alles, so wie es ist. Doch die Tür zu anderen Welt erscheint bereits blass im Grün der Natur oben in den Bergen. Ich mag sie noch nicht öffnen. Fahre kreuz und quer, als ob ich etwas oder irgendjemandem davonfahren möchte. Doch gelingt es mir nicht.

Dieser starke Wind ist immer noch da am Appartement, während im Dorf unten alles ruhig und inzwischen heiss ist. Am Abend fahre ich heim, der Wind rauscht lautstark vor der Tür. Plötzlich Stille, der Wind hat aufgehört. DSC_0240_klNach zwei Stunden beginnt das Spiel von neuem. Ich esse etwas Gemüse und Nüsse. Es ist noch hell draussen, aber ich werde versuchen zu schlafen. Mein Kopf brummt und ich muss mich konzentrieren da zu bleiben. Ich merke, sie kommt. Sie kommt langsam hoch. Vielleicht beginnt es morgen.

 

3.7.

Die ganze Nacht kaum geschlafen. Der Wind klopfte ständig an meine Tür. Kopfschmerzen, Nasenbluten und in den Momenten des Träumens wirres Zeug geträumt. Dann ist endlich die Nacht vorbei. Langsam fange ich an mich zu bewegen. Habe das Internet Passwort bekommen und fange nun an e-Mails zu checken und zu beantworten. Schöne Ablenkung. Dann runter nach La Calera einen Obstsalat gegessen und einen Espresso dazu. Das Meer begrüsst.DSC_0247_kl Hier vergeht die Zeit im Schneckentempo. Ich bin in meinem Element alles zu verlangsamen. Jede Sekunde voll zu geniessen und zu atmen. Zu spüren und zu fühlen… Ich muss es verlassen und mich Richtung San Sebastian machen. Oben auf dem Berg im Zentrum der Insel habe ich immer wieder das Verlangen anzuhalten und in den Wald zu gehen. Es ist kalt, nur 11 Grad, Nieselregen und Nebel. Frierend schleiche ich durch diesen Dschungel hier oben, bis die Kälte mich völlig übermannt und kehre zurück ins Auto. Ein krasser Unterschied zum Meer unten, wo es angenehme 27 Grad sind. San Sebastian in der Vorsaison ist fast leer. Kaum Touristen. Auf dem Rückweg halte ich in der Laguna Grande kurz an. DSC_0254_klFahre dann aber wieder schnell nach Valle Gran Rey zurück. Müsste wärmere Klamotten anziehen. Bin abgelenkt, komme noch nicht zu mir. Das macht mich ein bisschen ruhiger. Vielleicht kann ich es etwas entspannter angehen. Kontakt ist grad weg. Er wird wiederkommen.

 

4.7.

Wache auf, keine Schmerzen mehr. Alles in Ordnung. Fahre zum Frühstück. Ein grosses Glas Obstsalat. Eine Glasschale, worin man auch Eis serviert, wird nun mein neuer Freund auf der Insel. Verbringe eine Stunde am Meer, beobachte die Tiere im und auf dem Wasser und fahre dann zurück ins Appartement. Lese jetzt viel und setze mich damit auseinander. Mehr ist heute nicht zu sagen.

5.7.

Bin oben im Wald von Canada de Jorge. Sehr, sehr eindrücklich. Vollkommen allein durch diesen Wald zu gehen, zu lauschen, zu fühlen. Wie in einer anderen Welt.

DSC_0259_kl DSC_0260_antonio_klDSC_0261_kl DSC_0262_kl DSC_0265_kl DSC_0266_kl

 

 

 

 

 

 

 

6.7.

Erste Atemsitzung heute Mittag gemacht. Bereits nach kurzer Anfangsphase veränderten sich die rosa Rosenblüten vor meinem Appartement in ein grelles Orange. Ich bin noch vorsichtig.
Habe im Buch von S. Grof von etlichen Erfahrungen unter Ketamin, LSD etc. gelesen. Von Out-of-Body-Expierence (OOBE), die ich genauso hatte unter blosser Kriya-Yoga Praxis. Viele seiner Berichte sind mir bekannt von meinen eigenen Erfahrungen ohne psychodelische Pharmaka oder Atemsessions. Einfach nur weil ich es wollte, konnte ich solche Erfahrungen kreieren, während meiner Kriya-Yoga Zeit.Von daher gehe ich liebe langsamer an die Erfahrungen heran, da ich anscheinend sehr leicht in erweiterte Bewusstseinszustände gelangen kann. Ich gehe jetzt rein ins Appartement und mache kurz weiter bis sich alles zusammenzieht. Dann höre ich für heute auf, da ich jetzt total müde geworden bin. Ich lege mich hin und schlafe bis zum Abend. Am Meer habe ich zu Abend gegessen und bin jetzt wieder zu Hause im Appartement. Werde gleich schlafen gehen.

Mir wird langsam klarer, wie gleichgültig doch alles ist. Es ist nicht der individualisierte  Mensch, der sich entwickelt. Es ist das Kollektiv. Daher genügt es an mir selbst zu arbeiten, damit die Energie und das Bewusstsein im Ganzen sich hebt. Der Fokus kann nach innen gerichtet werden. Egal ob als Mensch oder Wesen.

7.7.

Mir wird immer bewusster, dass ich mich dem nicht entziehen kann. Es fängt an. Obwohl ich mich darauf vorbereitet habe trifft es mich doch jetzt etwas unerwartet. Versuche normale Abläufe zu generieren. Einkaufen, im Cafe sitzen. Merke aber, es holt mich ständig ein. Wie ein Verfolgter, der ständig auf der Flucht nach hinten schaut und seine Verfolger im Nacken spürt, wandere ich sofort wieder los. Ziellos, Hauptsache nicht stehen bleiben. Ich hab den ganzen Tag bereits Kopf- und Nackenschmerzen. Heute Abend wird es wohl beginnen.
Ich mag diese Menschlichkeit nicht. Unehrlichkeit, Brutalität, Egozentrik, Übergriffigkeit… Sie sollen mich in Ruhe lassen. Ich finde keine Liebe mehr… Lasst mich doch alle in Ruhe! Wenn ihr euch verändern wollt, dann tut es einfach! Aber lasst mich in Ruhe, ich gehe meinen Weg… Es ist jetzt spät, draussen tobt der Wind, innen bei mir fängt es jetzt an.

8.7.

Nichts aufregendes passiert. Naja, Abends bin ich am Meer in einem Bistro und schaue Fussball… Unglaublich, was da passiert auf der Leinwand. Lerne nette Leute kennen.

9.7.

Fahrt nach San Sebastian. Dann Meer, dann Bistro und wieder Fussball. Treffe mich mit den netten Menschen vom Vortag. Es wird spät, sehr spät komme ich heim und falle müde ins Bett.

10.7.

Wieder nach San Sebastian. Lese unten am Meer in Valle Gran Rey, kaufe ein und lese zu Hause weiter. Flug gebucht nach Mallorca

11.7.

Ich musste feststellen, dass eigentherapeutische Atemsitzungen in destruktive Phasen umschlagen können, wenn für ein Abrunden des Tiefenprozesses eine weitere Person benötigt wird. Dieses ist bei bestimmten Themen der Fall, wo zum Beispiel an Defiziten im frühkindlichen Stadien gearbeitet wird. Da benötigt es unbedingt einer weiteren Person die wichtige Körperarbeiten in der Regressionsphase durchführen kann und den in der damaligen Zeit fehlenden Körperkontakt kompensieren kann.

12.7.

Zeit am Meer verbracht und versucht die entstandene destruktive Phase wieder zu korrigieren. Abends ein paar Personen getroffen und zusammen Fussball geschaut in einer Bar am Meer.

13.7.

Nach einem ausgedehnten Spaziergang am Meer am Abend wieder in die Bar zum Finale schauen. Inzwischen mit einer total lieben Familie aus Deutschland und einem „Fastaussteiger“, der in seinem Urlaub am Meer schläft, angefreundet und zusammen mit einigen anderen Deutschen das Finale und danach den Weltmeistertitel gefeiert.

14.7.

Am Meer gewesen und einen langen Spaziergang am Strand gemacht. Abends wieder mit den anderen getroffen. Es war ein sehr, sehr schöner Abend. Frank, der seinen Bus verpasste, zu mir eingeladen und die halbe Nacht über sinniert und viel gelacht. Da ist mir einiges klar geworden über Offenheit, Akzeptanz, Freiheit und mehr. Habe eine gewisse Leichtigkeit erhalten, die ich schon lange vermisste. Es war ein Heilungsprozess der stattgefunden hat. Ein Loslassen von Schmerzen und anderen Dingen.

15.7.

Frank morgens nach San Sebastian gebracht. Wir werden uns wiedersehen. Das steht fest. Wir haben eine Aufgabe zu erledigen. Ich freue mich darauf. Danach viel Zeit am Strand verbracht und am späten Nachmittag und Abend mit Dirk und Alexandra Abschied gefeiert.

16.7.

Mir wird erleichternd klar, dass meine Suche im Aussen der Einsamkeit im Herzen zu entgehen und das Alleinsein zu finden und zu akzeptieren niemals im Aussen zu finden ist. Keine Therapie ohne Therapeutenpartner, ist in der Lage mich nur annäherend zu nähren, dass ich das „Alleinsein“ als angenehm empfinden würde. Ich kann diese immaterielle Realität nicht messen oder wiegen. Ich kann sie nur im Innern finden, wenn ich meinen Blick nach innen wende und mein Herz öffne. Ich kann etwas gegen meine Einsamkeit machen, das ist eine Entscheidung, die ich fällen muss, wenn es es denn so ist. Das ist aber etwas anderes. Dies findet im Aussen statt. Ich habe erkannt, dass das Alleinsein nur eine Idee im Kopf ist, etwas was nur in meinem Innern zu finden ist. Wenn ich nun über beide reflektiere wird mir klar, dass das, was ich oft als Alleinsein gekennzeichnet habe, nichts weiter ist als Einsamkeit. Der kann ich entgehen als Entscheidung mich anderen Menschen zu öffnen. Auf sie zuzugehen.

Das Alleinsein ist jedoch in mir immer vorhanden und das ist das, was ich so geniessen kann, wenn ich z. B. am Strand abseits der Menschen meinen Platz finde. Ich weiss, ich bin allein und das ist gut und in Ordnung so. Denn in Wirklichkeit bin ich so von der universellen Liebe umschlungen, dass jeder Versuch ihr zu entfliehen unmöglich ist. Sie hält mich jeden Augenblick meines Lebens und selbst wenn ich meinen Körper wieder verlasse, so trägt, hält und liebkost sie mich.

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